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Mittwoch, 29. Februar 2012

Gauck - nicht mein Präsident

Anfang 2009 sollte er kommen, der Messias. Mit drei einfachen Worten schaffte es damals Barack Obama eine nie zuvor dagewesene Aufbruchstimmung und Zuversicht in den USA auszulösen. "Yes, we can!". Nicht nur das Volk, auch Medien aus aller Welt versprachen sich so viel vom zukünftigen Präsidenten, der da noch gar nicht im Amt war. Ähnliches geschieht gegenwärtig mit Joachim Gauck, dem baldigen Bundespräsidenten Deutschlands, der nun endlich alles zum Guten führen soll und wohl allein Griechenland aus der Krise führen wird. Wie Obama damals ist auch Gauck noch nicht im Amt, hat noch keine Amtshandlung vollzogen, wird aber bereits jetzt zum Heilsbringer erklärt. "Der steht für was" titelt die ZEIT und legt gleich auf Seite 1 alle Stärken und Schwächen von Gauck offen. Da hält er die "Kaptitalismuskritik für 'unsäglich'", den "Widerstand gegen Stuttgart 21 für einen Ausdruck deutscher Hysterie", die Energiewende ging ihm viel zu "holterdiepolter", Sarrazin hat er wohl auch mal als "mutig" bezeichnet und auch "Militärinterventionen seien unter Umständen nötig." Gerade diese Schwächen werden  als Stärken wahrgenommen, liegt darin doch zunächst einmal Ehrlichkeit, was viele Bundesbürger sehr schätzen und vor allem eine Menge zukünftiges Streitpotential, da die meisten Parteien im Bundestag obigen Zitaten wohl widersprechen würden. Gauck wird also alles andere als ein bequemer Präsident.
Wie komme ich dann zu meiner Meinung aus der Überschrift? Es mag ja schön und gut sein, dass Gauck sich in Zukunft nicht verstecken wird und "ein geradezu begnadeter Lehrer der Demokratie und Freiheit" ist, außerdem gehört er ebenfalls keiner Partei an, was (zunächst zumindest) hoffentlich parteipolitische Aktionen verhindert. Auch die Kritik der Netzgemeinde, die sich auf viele Aussagen Gaucks, z.B. die über Sarazzin oder S21 beruft, teile ich nicht, da die oft kurzen Zitate Gaucks völlig aus dem Zusammenhang gerissen sind. Schaut man sich hingegen die ganzen Interviews an (Süddeutsche 2010 zum Thema Sarazzin), wird man eventuell zu einer anderen Ansicht kommen. Gauck ist aus dem einfachen Grund nicht mein Präsident, weil ich ihn nicht gewählt habe. Es wird (wie in so vielen politischen Entscheidungen) kein Dialog mit der Bevölkerung hergestellt. Wir haben de facto keine Möglichkeit uns ihm zu verweigern. Es fehlt an demokratischen Prinzipien. Außerdem ist Gauck ein wirtschaftsliberaler Kapitalismusbefürworter, was gegenwärtig, in Zeiten in denen der Kapitalismus so stark wie selten zuvor in der Kritik steht, eher hinderlich als förderlich sein kann. Fakt ist, dass er sicherlich nicht für eine Entschleunigung der Märkte und für mehr Regulation derselben plädieren wird.
Aus der Vergangenheit, im Bezug auf den Messiasfaktor, haben wir gelernt, dass es nur schwerlich möglich ist, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Obama hat viel versprochen und wenig gehalten. Gauck wird viel versprochen . . . ob er es einlösen kann oder überhaupt will bleibt abzusehen.

Montag, 27. Februar 2012

Warum die Abstimmung über eine neue Verfassung in Syrien eine Farce ist

Natürlich wird die Macht des Präsidenten mit der neuen Verfassung beschnitten, auch dürfen nun Parteien gegründet werden, allerdings strotzt die neue Verfassung nur so vor Zynismus, bestärkt sie gleichzeitig doch Baschar al Assad in seiner Stellung. So kann dieser, tritt das Referendum in Kraft, weitere 14 Jahre regieren. Auch werden letzlich nur solche Parteien zugelassen, die loyal zur Baath-Partei stehen. Nicht jeder Syrier ist zur Abstimmung berechtigt. Zu den Wahllokalen gehen größtenteils getreue Regimeanhänger in Damaskus, ein Großteil der Menschen in anderen Regionen hat einfach Angst, viele wollen vor laufenden Kameras keinen Kommentar abgeben, aufgrund möglicher Bespitzelungen und anschließender Sanktionen durch die Regierung. "75% der Einwohner in Homs seien stimmberechtigt, sollen sie doch für eine neue Verfassung stimmen", sagte ein getreuer Assads. Schaut man sich die Zustände in der Stadt an, weiß man nicht, ob man über diesen Kommentar lachen oder weinen soll. Jeden Tag sterben dort mehrere Menschen, die Stadt ist unter Dauerbeschuss, Straßenkämpfe zwischen Oppositionellen und dem syrischen Militär fordern immer mehr Opfer. Wer geht da bitte ins Wahllokal? Die Ironie daran ist unverkennbar: Es werden die zur Abstimmung über eine Verfassung der aktuellen Regierung aufgefordert, die selbige doch entmachten wollen, um demokratische Neuwahlen durchzuführen. Wenn al Assad wirklich demokratische Zugeständnisse machen will, muss er zurücktreten und zugestehen, dass das Volk das Souverän ist und schon längst mit ihm abgeschlossen hat, solch "scheindemokratische" Verfassungsänderungen bringen ihm doch nur den erneuten Zuspruch seiner Anhänger, kein Oppositioneller wird plötzlich einlenken und seine Stimme niederlegen. Europa und die USA sehen ebenfalls keinen Sinn im Referendum, auch G. Westerwelle kritisierte dieses in Berlin.
Die syrischen Oppositionellen haben meine Bewunderung und Mitgefühl. Ich bin froh, dass Menschen für ihre Rechte und Freiheit überall auf der Welt bereit sind zu kämpfen. Die Zeit der Diktatoren neigt sich dem Ende zu! Im Senegal geht es weiter!

ACTA

ACTA - Was ist das?

ACTA ist ein übernationales Abkommen, dessen Inhalte und Maßnahmen dazu dienen, Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen (u.a. im Internet) auf eine neue Art und Weise begegnen zu können. Hierzu sollen alle teilnehmenden Staaten bestimmte Standards etablieren, was auch zu einer besseren Internationalen Kooperation führen soll.


ACTA - Warum eigentlich ?

Aufgrund der steigenden Zunahme der Piraterie, welche die Existenz von Unternehmen bedroht (z.B. Musikindustrie) und somit ökonomische Einbußen zu erwarten sind, welche die globalen Märkte schädigen.


ACTA - Prävention und Intervention


Neue Maßnahmen und Gesetze sollen als Abschreckung dienen, um dem illegalem Vertrieb und der Verbreitung von geschütztem Material entgegenzuwirken. Abweichler sollen schneller und härter bestraft werden.

ACTA - Was ändert sich ?

Glaubt man Angelika Pohlenz (ICC), ändert sich für Deutschland und Europa nichts. Alle, durch ACTA definierten Standards finden sich bereits im deutschen Rechtssystem wieder. Die von vielen Ländern geforderte Änderung im Datenschutz wurde nicht realisiert, welche zu weniger Autonomie im Internet führen würde.

ACTA - Kritik

Im Gegensatz zu Frau Pohlenz befürchten viele Menschen, dass ihre Freiheiten im Internet eingeschränkt werden, was eine zunehmende Überwachung des einzelnen zur Folge hätte. Außerdem besteht die Befürchtung der privatrechtlichen Zensur, welche zu Internetsperren führen könnte. Amnesty International weißt außerdem auf mögliche Menschenrechtsverletzungen hin, die sich in einigen Ländern bewahrheiten könnten.

Für diese Argumente spricht die Tatsache, dass das Abkommen unter Ausschluss der Öffentlichtkeit beschlossen wurde. Keine NGO oder dergleichen, die sich mit dem Internet auseinandersetzen, wurde hinzugezogen. Dies widerspricht zunächst einmal demokratischen Prinzipien, was zur Folge hat, dass kein Mensch weiß, ob das ganze auch koscher ist oder ob doch bestimmte Beschlüsse gefällt wurden, die obrige Ängste rechtfertigen. Es geht hier um privatwirtschaftliche Interessen, die auch nicht davor zurückschrecken, Demokratie zu unterminieren und Grundrechte zu missachten.Also ist der Protest gegen ACTA meiner Ansicht nach absolut nachvollziehbar und es fällt positiv auf, dass so viele Menschen ihre Stimme dagegen erheben, dies allerdings nicht nur aus eigenem Interesse, sondern auch und gerade aus Solidarität zu anderen Staaten.


ACTA - kommt es überhaupt ?

Da in der EU jeder Staat zustimmen muss, ist wohl eher nicht davon auszugehen.





Sapere Aude: Bei aller Aufregung zum Thema Überwachung sollte nicht vergessen werden, dass diese schon existiert und anscheinend auch als legitim empfunden wird. F:)book sammelt Daten seiner User und gibt keine Auskünfte darüber, was damit geschieht. Verschiedene Smartphone Apps greifen auf nahezu alle Informationen ihrer Nutzer zu, u.a. auch auf deren Standort - auch hier weiß der Einzelne nicht, wozu diese verwendet werden. Da F:)book und Smartphones aber gerade einen Boom erleben, der seines gleichen sucht und anscheinend enin jeder Nutzer individuelle Transparenz anstrebt, ist es etwas verwunderlich, das gerade beim Thema ACTA der Aufschrei in Deutschland so groß ist.