Einer meiner Freunde lebt in Israel. Ich stehe mit ihm in regelmäßigen Kontakt. Auf meine Frage, welche Lösung er für den gegenwärtigen Konflikt in Syrien sieht, schrieb er mir folgende Zeilen. Ich möchte noch ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese Meinung nicht der meinen entspricht, ich empfand die Sichtweise jedoch als interessant und hielt es für sinnvoll, diese zu publizieren:
Ein Eingreifen in Syrien hat zwei Seiten. Zum einen ist die Gewalt, die die ethnische Minderheitskoalition aus Christen, Druzen und Alawiten gegen die sunnitische Mehrheit anwenden aus humanistischer und voelkerrechtlicher Sicht fragwuerdig, andererseits haben die Sunniten jahrhundertelang diese Gruppen gewaltsam unterdrueckt und diese Wut selbst erzeugt. In jedem Fall wuerden Menschen sterben, egal welche Seite die Oberhand haette. Die Sunniten wuerden an den Nichtmuslimen mit Blutbaedern Rache nehmen, deshalb sind Assads Regime und die ihm angehoerigen Minderheiten so sehr darauf bedacht, nicht unterzugehen - das ist fuer sie ein Existenzkampf im Sinne des Wortes. Es gaebe keinen friedlichen Wechsel, nur das umgekehrte Spiel von Rebellen die Regierungstreue beschiessen und bombardieren. Deshalb ist diese franzoesische Konstruktion des Vielvoelkerstaates Syrien eine misslungene Kreation, nicht natuerlich und wie wir sehen nicht lebensfaehig. Eine Spaltung des Staates in Kueste+ fuer Alawiten & Co und Ostsyrien fuer die Muslime, mit konsequenter ethnischer Trennung und jeweiliger Abwanderung in den jeweiligen Staat ist die einzigste Loesung, die nachhaltig scheint.
Zum anderen hat die Assad Regierung Israel fast 40 Jahre lang Ruhe beschert (seit 1973) und deshalb ist aus israelisch-grenzsicherheitstechnischer Sicht dieses Regime gut fuer Israel. Eine radikalmuslimische Nachfolgeregierung ala Aegypten koennte diese recht kuehle Grenze wieder heiss werden lassen, wie es der Sinai mittlerweile wieder ist. Auch koennten dann Regionen zum Operationsgebiet fuer Terrorgruppen freigegeben werden ala Gaza oder Syrien selbst militaerisch aktiv werden und nach Israel einfallen. Aus diesen Gesichtspunkten heraus sieht Israel Vorteile im Erhalt des Assad Regimes, wenn auch beschraenkt.
Denn ist es auch dieser ein Diktator, der den Waffenfluss fuer die Hisbollah am Stroemen haelt, der andere Terrorgruppen unterstuetzt, ein Verbuendeter Irans ist, staendig gegen Israel Aktion macht und selbst ein Arsenal von chemischen Waffen aufgebaut hat, die natuerlich gegen Israel zum Einsatz kommen wuerden.
Ein externes Eingreifen ist von den syrischen, aufstaendischen Muslimen nicht gewuenscht, wohl aber die Versorgung mit Waffen. Meiner Meinung nach sollten die Aufstaendischen nicht vorbehaltlos unterstuetzt werden. Das Land sollte geteilt werden und jede Aktion in diese Richtung sollte unterstuetzt werden, auch notfalls durch UN-militaerisches Eingreifen. Keinesfalls aber einfach den Sturz des Assad Regimes und seine Ersetzung durch die Rebellen hinnehmen, sondern die Zweitstaatenloesung um den Vielvoelkerstaat Syrien ethnisch aufzutrennen und jedem Volk sein eigenes Selbstbestimmungsrecht im staatlichen Sinne zukommen zu lassen. Ansonsten sehe ich die Aktionen der syrischen Regierung eher als Kampf auf Leben und Tod der herrschenden Minderheiten von Christen/Druzen/Alawiten gegen ihre bevorstehende Lynchung durch die (noch) unterdrueckte, sunnitische Bevoelkerungsmehrheit. (E. Nicolaus)
Ein hervorragender Artikel. Scheint sich auszukennen dieser E.Nicolaus. Ich wuerde den Bericht ja ueberspitzt formuliert "Multikulti ist Tod" nennen aber mit der Zweistaatenloesung ist der Punkt auch getroffen. Jetzt muessen wir nur noch ueberlegen, wie wir Deutschland zweistaatenloesen, wenn die Muslime in zwei bis drei Generationen dasselbe in Deutschland abziehen.
AntwortenLöschenEs ist wirklich kaum zu glauben, was dieser blinde Multikultiwahn aus Deutschland gemacht hat. Und bei dem was da noch auf uns zukommt, da bin ich froh, das nicht mehr erleben zu müssen.
Löschen"blinder Multikultiwahn"...es fällt mir schwer, meine Ablehnung dagegen in Worte zu fassen. Man könnte es Ethnopsychoanalytisch ausdrücken: Die Angst vor dem Fremden, im obigen Beispiel also die Angst vor anderen Kulturen, mit der Befürchtung vielleicht doch Gemeinsamkeiten zu entdecken, die es ja nicht geben darf oder? Das, was man nicht kennt, macht einen Angst, beschäftigt man sich jedoch genauer mit anderen Kulturen und deren Normen und Werten wird man erstens Gemeinsamkeiten entdecken und zweitens schnell begreifen, dass diese Menschen auch nur eins im Sinn haben: In Frieden leben. Dies meine ich im Bezug auf Deutschland und der Chance miteinander und voneinander lernen zu können. Natürlich gibt es auch radikalideologische Strömungen religiöser Interpretation, doch sind diese klar in der Minderheit...
LöschenWarum schweigen diese selbsterklärten, linken Menschenrechtler, die es sonst kaum abwarten können Israel zu verurteilen, so lautstark zu Syrien?
AntwortenLöschenIn Syrien ist keine "zionistische Verwicklung" erkennbar und es ist nicht möglich die Juden zu beschuldigen.
Aus "Die Endlösung der Israel-Frage":
http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13901851/Die-Endloesung-der-Israel-Frage.html
ich finde den ausdruck "lautstark schweigen" sehr interessant. danke dafür
LöschenEs meint gezieltes Übersehen von ideologisch Uninteressantem. Dein Schweigen zu alex' Kommentar ist auch laut hörbar. Bei denen, die sich für die Juden stark machen protestierst du auf deine Art und Weise, allerdings bei denen, die unverhohlenen Antisemitismus ausposaunen, schließt du die Augen. Es nährt einen gewissen Verdacht.
LöschenIch bitte dich mal, mit allem Respekt und aller Höflichkeit, den Artikel dieses Juden durchzulesen, der in WELT veröffentlich wurde:
http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13901851/Die-Endloesung-der-Israel-Frage.html
Ich werde mich hier in keinster Weise rechtfertigen und muss das im übrigen auch nicht, was ich kommentiere und was nicht. Alles weitere ist Interpretationssache.
LöschenWas allerdings auffällig ist: Allein aus dem Grund, dass ich bestimmte Kommentare unkommentiert lasse, wird mir sonst was unterstellt, genau wie im Kommentar von mir unten, wo mir postum ein Vergleich zwischen Antisemitismus und Zionismus unterstellt. Diese Beispiele sind erstens ein Beweis für die Sensibilität des Themas und zweitens, im Kontext der Sensibilität, dass man schnell als Hetzer, Nazi und Antichrist, etc. abgestempelt wird. Mir ist auch in diversen Foren aufgefallen, dass viele, aufgrund der Vergangenheit, viel zu sensibel reagieren, was eine sachliche Diskussion meiner Meinung nach erschwert. Mit zu sensibel meine ich eben deine Kritik, dass ich bestimmte Kommentare unkommentiert lasse. Ich hoffe du verstehst das...
Judenhass, seine Verharmlosung oder stillschweigende Hinnahme kann ich nicht verstehen. Nicht mal ein bisschen. "Wehret den Anfängen!"
LöschenUnd natürlich ist das Thema sensibel, es ist ja schließlich brandaktuell. Die Juden haben vor Verfolgungen gegen sie keine Ruhe gefunden. Toulouse ist das aktuellste Beispiel. Und die deutschen Antisemiten, denen der Judenstaat ein Dorn im Auge ist, weil Juden dort die Mehrheit sind, Juden dort regieren und die jüdische Religion dort mehrheitlich praktiziert wird, sind zum Hauptteil links und fahren auf Schiffen zu ihren antisemitischen Kumpels aus dem Nahen Osten. Offener Anitsemit zu sein ist heute aber politisch unkorrekt, deshalb haben sie zahlreiche Theorien und Ideologien entwickelt warum sie gegen die Juden sein müssen und trotzdem keine Antisemiten sind - sie sind ja schließlich gegen die nationalen Sozialisten und deswegen können sie unter gar keinen Umständen niemals nicht antisemitisch sein.
Nur macht das für die Juden keinen Unterschied ob Europäer, die sich Nationalsozialisten nennen sie verfolgen und bekämpfen, oder ob sich Europäer Linke und Menschrechtler nennen und Juden verfolgen und bekämpfen. Für die Juden sind die scheiß Linken genauso schlimm wie die Nazis. Denn die Linken helfen den nächsten Holocaust vorzubereiten, den dann die Muslime im Namen der Freiheit Palästinas durchführen werden. Sei es durch eine konsequente Schwächung Israels von außen und innen bis Israel sich nicht mehr gegen einfallende Armeen wehren kann, seine demografische Abschaffung durch millionenfache "Rückkehr" von "Palästinensern" oder seine atomare Ausradierung durch den Iran, wenn die anderen zwei Wege nicht klappen. Die Zeichen stehen an der Wand. Aber der linke Gutmensch nimmt den Untergang Israels gern in Kauf, wenn dadurch "Palästinenser" zu ihrem "Recht" kommen. Die Rechte der Juden sind natürlich nicht von Bedeutung. Und die Linken machen das ja wegen ihrem Nazitick und fühlen sich auch noch gut dabei Israel zu bekämpfen.
Jemand der wirklich aus den Schrecken der Naziherrschaft gelernt hat, hilft den Juden und dem Judenstaat. Nur so jemand ist wirklich anders. Nur so jemand wiederholt nicht die Taten der Nazis, wie die Linken es tun.
Und es geht nicht darum dich abzustempeln. Es geht darum dir die Augen zu öffnen.
Nochmal: Hast du den Artikel mal gelesen?
http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13901851/Die-Endloesung-der-Israel-Frage.html
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AntwortenLöschenWer in der Region eine Krieg verhindern will darf die Rebellen Nicht unterztützen , dann werden die Muselmanen die Macht ergreifen und Schluß mit lustig. Dann stehen wir vor einem neuen Krieg.Ich stehe auf der Seite Israels.
AntwortenLöschenIch möchte hier ebenfalls meine Meinung kund tun: Sowohl unter Moslems als auch Juden trifft man auf gegenseitige Verachtung. Es gibt auf jeder Seite Gruppen, die totalitäre Positionen vertreten und Hetze betreiben (Bsp.Ahmadinedschad). So ist der Antisemitismus, auch Aufgrund seiner Geschichte, menschenrechtsverletzend und -verachtend, das ist klar. Doch auch Zionismus kann zu Ähnlichem führen und zwar dazu, dass sich Israel, aus welchen Gründen auch immer, über andere Religionen, Ethnien, etc. stellt und das kann ich nicht gutheißen. Solange Menschen ihren Stolz und ihre Arroganz nicht hinter sich lassen, wird es keinen Frieden geben.
AntwortenLöschenAntizionismus ist Antisemitismus. Den Zionismus, die Befreiungsbewegung des juedischen Volkes gegen antijuedischen Rassismus, mit Totalitarismus und Antisemitismus in einem Atemzug zu nennen und ihn ihnen gleich zu stellen ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer des Antisemitismus. Den juedischen Opfern ihre Verteidigung vorzuwerfen ist nicht nur zynisch. Es ist falsch.
LöschenWenn du meine Aussage so interpretierst, dann ist das deine Sache...
Löschen"So ist der Antisemitismus, auch Aufgrund seiner Geschichte, menschenrechtsverletzend und -verachtend, das ist klar. Doch auch Zionismus kann zu Ähnlichem führen.."
LöschenDas klingt fuer dich also nicht nach einer Gleichstellung? Kennst du den UN-Beschluss der Zionismus asl Rassismus definiert hat? Die antisemitische Resolution wurde zwar wieder zurueckgenommen aber man kann ihren Klang immer noch hoeren. Hier zum Beispiel.
Verschiedenes: de facto hat das syrische Regime Israel 40 Jahre Frieden gegönnt, jedoch nicht, weil es sich mit dem status quo abgefunden hat sondern weil es alle Verbündeten verloren hat: Während Ägypten und Jordanien Frieden geschlossen haben, wie man es sich nur wünschen kann, verharrt Syrien in seiner (zumindest rhetorischen) Anti-Israel-Haltung und auch in Bezug auf die Golan-Höhen hat man hier noch keine völkerrechtliche Lösung gefunden.
AntwortenLöschen-Ebensowenig sehe ich Christen in den syrischen Eliten, die mir vielmehr homogen alawitisch scheinen.
-Dass mit einem Regimewechsel jedoch auch eine Religiösierung (so ein Wort gibt es nicht, bräuchte es aber im Gegensatz zu Säkularisierung) stattfinden würde, halten nur wenige für zweifelhaft. Die Beispiele von Lybien und Ägypten sind abschreckend genug und das fordern der Scharia oder einer All-Arabischen Allianz kann nur als größte Gefahr gesehen werden (sowohl für Israel als auch für die Entwicklung in diesen Ländern an sich!).
-Problematisch halte ich von vornherein ein äußeres Eingreifen: die Souveränität einer rechtmäßigen und bewährten Regierung dermaßen zu untergraben, zu Gunsten einer unbekannten Gruppe von Rebellen ist fatal. Mit gleichem Recht hätte man den Kalifatsstaat Köln unterstützen können, anstatt ihn polizeilich aufzulösen....
Der Kernpunkt: Zweistattenlösung.
Puh, ausgehend von Subsidiarität und Selbstbestimmung der Völker eine sehr schöne Idee, jedoch realpolitisch wohl kaum zu unterstützen. Diese Völker hatten- genau wie die Palästinenser- nie einen eigenen Staat und sind würden insbesondere für Israel zu neuen Problemen führen (israel. Araber die sich anschließen wollen, Druzen aus Israel/Golan!?). Jedenfalls zeigt der Libanon, dass eine Aufteilung zu nicht mehr funktionsfähigen Staaten führt und 2. die Gebiete auch schon viel zu sehr vermischt sind, als dass sich ganze Territorien klar zu einer Seite bekennen könnten!
Soweit meine Einschätzung, über Kommentare und fortführende Diskussion freu ich mich natürlich!
- Soweit ich es verstanden habe, stehen die Christen auf der Seite der Alawiten. Ob sich das in ihrer Praesenz in elitaeren Positionen ausdrueckt oder nicht - ihre Loyalitaet steht eher bei den Alawiten.
Löschen- Nicht einzugreifen scheint nur vielleicht besser zu sein. Wie E.Nicolaus schon schrieb, ist die beste Loesung nicht ein blosser Regimewechsel, sondern eine Teilung Syriens in einen muslimischen und nichtmuslimischen Staat wie den Sudan.
Eine Teilung hat den Vorteil, dass 1. die neustaatlichen Nichtmuslime als Verbuendete gewinnen zu koennen gegen den gemeinsamen, islamischen Feind, wie es bei den libanesischen Nichtmuslimen der Fall (Bashir/Scharon Koalition) war und ist. (Nur sollten wir sie dieses Mal besser behandeln.)
2. Klaert eine Teilung Syriens auch den Status des Golan voelkerrechtlich. Denn nur ein Gesamtsyrien kann voelkerrechtlich den Golan zurueckfordern und daher muss Syrien zerfallen, damit Israel den Golan behalten kann. Kleinere Nachfolgestaaten haben nach internationalem Recht keinen Anspruch den Golan zurueckzufordern.
3. Ein rein muslimischer ostsyrischer Staat kann sich viel radikaler entwickeln und kombiniert mit den Hilferufen der neuen, nichtmuslimischen Staaten eine haertere Gangart unsererseits legitimieren.
4. Eine solche Teilung muesste auch von ehnisch/religoeser Entflechtung begleitet sein. Alle Muslime nach Ostsyrien und alle Nichtmuslime nach Alawiya an der Kueste, auf jeden Fall aber die Kreation eines rein muslimischen Staates egal in welchen Grenzen. D.h. Vielleicht nicht nur zwei sondern drei Staaten, wennd die Druzen im Suedosten bleiben wollen. Die auf diese Art und Weise geschaffenen und zusammengesetzten Gebilde sind stabil und in ihrer Loyalitaet klar. (Entflechtung waere auch fuer den Libanon die Friedensloesung.)
Hier eine Karte:
http://www.google.de/imgres?q=syrien+1935&hl=de&gbv=2&tbm=isch&tbnid=eU2-ZTMo_J8JnM:&imgrefurl=http://de.wikipedia.org/wiki/V%25C3%25B6lkerbundmandat_f%25C3%25BCr_Syrien_und_Libanon&docid=ELta9YZK6KMlpM&imgurl=http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/b0/Mandate_of_Syria.png/290px-Mandate_of_Syria.png&w=290&h=234&ei=CC10T6roE8bNsgaqke38DQ&zoom=1&iact=rc&dur=591&sig=115779782222674217335&page=2&tbnh=152&tbnw=188&start=28&ndsp=38&ved=1t:429,r:11,s:28&tx=67&ty=73&biw=1680&bih=899
- Was meinst du mit "Jedenfalls zeigt der Libanon, dass eine Aufteilung zu nicht mehr funktionsfähigen Staaten führt."?